"Ich sehe was, was Du nicht siehst", war ein beliebtes Kinderspiel. Aber nicht jeder sieht, was man selber sieht, auch wenn man noch so scharf hinschaut.
Man erkennt nämlich nur das, was man schon kennt, oder so ähnlich formulierte das schon der "Altmeister" Goethe. Durch jahrelanges Training, entdecke ich manchmal in Wolken, in der Landschaft, in Objekten, Zweigen, Fundstücken oder Verpackungen, eine verborgene Ansicht, die sich bestens vor der allgemeinen Wahrnehmung tarnt.
Diese andere Sichtweise versuche ich auch anderen zu erschließen, in dem ich sie male oder die objekte so bearbeite, dass es eigentlich jeder sehen müsste. Das das nicht immer so ist, überrascht und erfreut mich immer wieder, besonders, wenn der andere noch etwas anderes sieht. Mir geht es jedenfalls immer so, wenn ich erst einmal was anderes erspäht habe, dann (ver)suche ich es immer wieder aufzuspühren und betrachte Zweige z.B. heut mit völlig anderen Augen.

Hier sah ich Tiere. Sie waren verborgen in Baumschnitt, der am Wanderweg lag. Eine Schildkröte, nur durch Schneiden hervorgezaubert, den sechsbeinigen "Sechsfanten" mit seinem langen Rüssel oder die elegnate langhälsige Giraffe.
Oder:

mein
"herrlich röhrender Asthirsch,
ein Stück(!) un alles dran. Inzwischen ist er golden bemalt und hat einen "Ehrenplatz" im Regal.
Auch der "Morisken"Tänzer hatte es mir angetan. Ihn sah ich bei beschneiden meines Apfelbaumes im Frühjahr 2003. Kommentar meiner "Lieben": Wenn Du immer so lange alles anschaust, wirst Du niemals fertig. Alles nur Neid, sie hatte ihn nicht entdeckt:

Ich gebe zu, das ein bißchen Farbe schon etwas mehr her macht, und in diesem Fall mein Tänzer dem Original von Tillmann Riemenschneider in keinster Weise damit mehr nachsteht;
oder, wie dem Rindenbeuchstück ein "Auge" , dem bloßen Astloch etwas Geheimnissvolles verleiht. Das Auge, ein ebenfalls gefunderner "Glasbucker", bei uns nennt man so die Glaskugeln zu Murmeln, habe ich einfach von hinten angeklebt. Nun schaut es uns an.
Ich hoffe, wenn Ihr allein zu zweit, oder mit euren Kindern, wieder einmal durch die Landschaft zieht, könnt ihr nun in den Zweigen, die verborgenen "Gestalten" entdecken. Es gibt nämlich ganz, ganz viele. Aber bitte nicht gleich den Baum oder Strauch köpfen oder abbrechen, die ver borgenen Figuren sind ebenso im Windbruch oder Veredelungsschnitt zu finden.
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Lieben Gruss von Andrej
Mir geht es ähnlich mit größerem Holz, so stand lange ein "Kamelkopf" in der Wohnung aus einem Stück Fichtenholz. Leider war irgendwann kein Platz mehr und er vertrug das nasse Wetter nicht. Mittlerweile ist es nurmehr ein graues Stück Holz im Garten...